Ölsaatenaufbereitung
Bei der mechanischen Aufbereitung wird die Zellstruktur der Saaten zerstört, damit das darin in Form kleinster Tröpfchen vorhandene Öl zugänglich wird. Dabei ist eine definierte Zerkleinerung erforderlich, um eine bestimmte Struktur zur erhalten.
Nur unter diesen Voraussetzungen kann der an die Aufbereitung anschließende Separierungsprozess erfolgen. Die thermische Aufbereitung dient der Erwärmung und Trocknung von Saaten. Durch die Erwärmung wird nicht nur die Viskosität des Öles herabgesetzt. Durch eine Erwärmung wird die Saat auch weicher und läßt sich, insbesondere bei der Verarbeitung von Sojabohnen, besser zu Flocken auswalzen. Durch die thermische Behandlung wird die Komposition des natürlichen Proteins in der Saat für einen möglichen Abpressvorgang positiv beeinflußt. Des Weiteren unterbindet die Erwärmung auch für die Produktqualität schädliche enzymatische Reaktionen in der Saat. Schließlich bewirkt die mit der Erwärmung zusammenhängende Trocknung der Saat eine Erhöhung der Reibbeiwerte in Schneckenpressen. Das führt zu höheren Abpressdrücken und damit zu höheren Ausbeuten.
Für die mechanische Aufbereitung hat der Produktbereich Speiseöltechnik von Harburg-Freudenberger folgende Maschinen im Programm:
- Das Riffelwalzwerk R300 als Modulbauweise in ein-, zwei- oder drei- stufiger Ausführung und mit drei verschiedenen Walzenlängen zur (Vor-) Zerkleinerung grobkörniger Produkte.
- Den Schilferbrecher SZR300 als Sonderbauform des Riffelwalzwerkes R300 mit drei verschiedenen Walzenlängen zur Zerkleinerung von Presskuchen vor der Extraktion oder vor der Kühlung/Lagerung.
- Das Flockierwalzwerk Q600 mit vier verschiedenen Walzenlängen zum Flockieren feiner oder vorzerkleinerter Ölsaaten.
- Das Flockierwalzwerk Q800 in besonders schwerer Ausführung zum Flockieren feiner oder vorzerkleinerter Ölsaaten.
Für die thermische Aufbereitung bieten wir an:
- Den Konditionierapparat TK, ausgeführt als horizontale Heiztrommel für indirekte Beheizung mit Dampf.
Die Trommel wird in drei Größen gefertigt, wobei sich mehrere Trommeln einer Größe übereinander in Form einer Kaskade anordnen lassen.
Das Riffelwalzwerk
Das Riffelwalzwerk R300 besteht aus einem, zwei oder drei übereinander angeordneten Walzenpaaren. Die Walzenpaare sind in einem geschweißten Stahlrahmen gelagert, wobei die Lagerung einer der beiden Walzen fest in das Gestell eingebaut ist. Die andere Walze ist verstellbar und federnd in einer Schwinge gelagert, damit diese ausweichen kann, wenn Fremdkörper wie Steine o.ä. in der Saat sind. Die Walzen rotieren gegeneinander mit Differenzgeschwindigkeit. Der Antrieb der fest gelagerten Walze erfolgt gesondert mittels Keilriemenantrieb und Elektromotor. Der Antrieb der beweglich gelagerten Walze wird durch einen Umlenktrieb mit Spezialkeilriemen bewirkt.
Der Abstand der Walzen zueinander kann über Handräder leicht reguliert werden. Eine Skala am Handrad zeigt die eingestellte Walzenspaltbreite an.
Die Walzen aus Kokillenhartguß mit durchgehenden Stahlachsen sind mit einer Riffelung versehen. Dadurch wird das Mahlgut weder zerrieben noch zerdrückt, sondern schonend zerschnitten. Die Art der Riffelung hängt vom jeweiligen Anwendungsfall ab. Bei mehrstufigen Walzwerken nimmt die Tiefe der Riffelung von oben nach unten ab. Der einheitliche Walzendurchmesser von 300 mm sorgt für ein sehr gutes Einzugsverhalten auch bei schwierigen Materialien.
Die Zuführung des Mahlgutes zum Riffelwalzwerk R 300 erfolgt gleichmäßig über eine im Einlaufkasten angeordnete regelbare Vibrations-Schüttelrinne. Zum Schutz vor Beschädigung des Walzwerkes durch Eisenteile ist das Walzwerk mit einem Permanentmagnet ausgestattet.
Der Schilferbrecher
Der Schilferbrecher SZR300 ist eine Sonderbauform des Riffelwalzwerkes R300 und dient der Zerkleinerung von Presskuchen (Schilfer) vor der Kühlung/Lagerung bzw. Lösungsmittelextraktion.
Der Schilferbrecher SZR300 besteht aus einem einstufigen Riffelwalzwerk R300. Zusätzlich wurde hier zwischen Vibrationsschüttelrinne und Walzenpaar ein Modul mit einem groben Zackenwalzenpaar eingefügt. Dieses sorgt für eine grobe Vorzerkleinerung des Presskuchens. Das geriffelte Walzenpaar gewährleistet eine schonende Zerkleinerung. So entsteht ein Granulat mit definierter Körnung ohne übermäßigen Feinanteil, ideal für Kühlung oder Extraktion.
Das Flockierwalzwerk
Das Flockierwalzwerk besteht aus einem Walzenpaar mit glatter Oberfläche. Die Walzen rotieren gegenläufig. In dem Walzenspalt wird das Aufgabegut zu Flocken ausgewalzt. Diese Materialstruktur hat sich für die weiteren Verarbeitungsschritte als optimal herausgestellt. Die Flockenstärke kann durch den hydraulischen Anpressdruck der Walzen variiert werden. Typischerweise liegt diese zwischen 0,25 und 0,35 mm.
Der Walzenanpressdruck wird von einem Hydraulikaggregat erzeugt und über Hydraulikzylinder auf beide Achsschenkel der beweglich gelagerten Walze übertragen, so dass eine gleichmäßige Anpressung über die gesamte Walzenlänge gewährleistet ist.
Die Walzen unserer Flockierwalzwerke sind aus Kokillenhartguß hergestellt und mit Stahlachsen versehen. Auf Wunsch können für die Walzen spezielle Legierungen verwendet werden. Der Walzendurchmesser der Baureihe Q600 ist einheitlich 600 mm bei verschiedenen Walzenlängen. Der Walzendurchmesser des Walzwerkes Q800 beträgt 800 mm bei einer Walzenlänge von 1250 mm. Die Walzen sind mit mechanisch angedrückten Abstreichern ausgerüstet. Der Antrieb der beiden Walzen erfolgt mit einer sehr geringen Differenzdrehzahl.
Die Mahlgutzuführung zu den Flockierwalzen wird durch eine regelbare Vibrationsschüttelrinne sichergestellt, die innerhalb des Walzengestells angeordnete ist. Die Steuerung des Walzwerkes muss sicherstellen, dass bei Unterbrechung der Mahlgutzuführung sofort eine Druckentlastung eintritt, um zu verhindern, daß sich die Walzen berühren und aufeinander laufen.
Das Flockierwalzwerk Q800
Das Flockierwalzwerk Q800 ist ein Walzwerk für die ölsaatenverarbeitende Industrie in besonders schwerer Ausführung. Es zeichnet sich durch eine große Laufruhe aus. Darüberhinaus bewirkt der große Walzendurchmesser von 800 mm ein sehr gutes Einzugsverhalten auch bei Produkten mit unterschiedlicher Körnung und höherem Ölgehalt. Das Flockierwalzwerk Typ Q 800 ist aufgebaut aus einem stabilen Grundrahmen und zwei seitlich darauf verschraubten Lagerständern. Diese Gestellteile sind aus Grauguß gefertigt. Die Lager der einen Walze sind fest im Gestell montiert. Die zweite Walze ist in beweglichen Schiebelagern gelagert, so daß sie Fremdkörpern, die möglicherweise in die Maschine gelangen, ausweichen kann. Beide Walzen werden von separaten Elektromotoren über Keilriemen angetrieben. Die Motoren sind aus Platzersparnis direkt auf die Maschine montiert.
Das Flockierwalzwerk Q600
Das Flockierwalzwerk Typ Q 600 ist aus einem stabilen Grundrahmen aus Grauguß sowie einem darauf befestigten Lagergestell in Schweißkonstruktion zusammengesetzt. Eine der beiden Walzen ist fest im Gestell eingebaut, die Gegenwalze ist schwenkbar in einer Schwinge gelagert. Die festgelagerte Walze wird von einem Elektromotor über einen Spezialkeilriemen angetrieben. Er treibt nach Umlenkung auch die schwenkbar gelagerte Walze an.
Der Konditionierapparat
Der Konditionierapparat dient der thermischen Aufbereitung des Aufgabeproduktes und übernimmt damit eine entscheidende Funktion im Gesamtprozess der Ölgewinnung.
Ein Konditionierapparat Typ TK besteht, je nach erforderlicher Heizfläche für die Wärmeübertragung, aus einer oder mehreren Trommeln, die übereinander in Form einer Kaskade angeordnet werden. Die Heiztrommeln sind horizontale zylindrische Rohre mit einem Doppelmantel. Dieser Mantelraum wird mit gesättigtem Dampf (max. 10 bar Überdruck) zur indirekten Erwärmung und Trocknung des Aufgabeproduktes beheizt. Die Zuführung des Produktes in den Konditionierer erfolgt mittels einer regelbaren Dosierschnecke. Die durch die Erwärmung und Trocknung entstehenden Brüden werden über eine Brüdenhaube in ein entsprechendes Aspirationssystem abgeführt.
Jede Trommel ist mit einem horizontalen Hubleistenrührwerk ausgestattet. Dieses Rührwerk sorgt für eine ständige Durchmischung des Produktes sowie eine Vergleichmäßigung des Produktniveaus in der Trommel.
Das Rührwerk übernimmt keine Förderfunktion. Der Materialtransport erfolgt nach dem Überlaufprinzip, wobei der Füllstand in den Konditionierertrommeln durch verstellbare Überlaufwehre geregelt wird.
Die gewünschten Produktparameter Temperatur und Feuchtigkeit werden in erster Linie durch Regelung des Dampfdruckes für die indirekte Beheizung eingestellt. Einspritzdüsen für Direktdampf und Wasser ergeben weitere Eingriffsmöglichkeiten.
Die Konstruktion der Konditionierer ermöglicht – im Gegensatz zur vertikalen Wärmpfanne - eine sehr gleichmäßige Behandlung der einzelnen Produktpartikel. Dafür sorgt zum einen die sehr intensive Vermischung durch das Rührwerk, zum anderen der gleichmäßige Transport des Produktes durch den Apparat. Die Förderung kann als Pfropfenströmung mit einem sehr engen Verweilzeitspektrum betrachtet werden.
Harburg-Freudenberger fertigt die Konditionierertrommeln in drei verschiedenen Größen. Trommeln einer Größe können in Modulbauweise zu einem Konditionierapparat zusammengesetzt werden. Die Rührwerkswellen der größeren Konditionierertrommeln sind hohl, zusätzlich mittels Sattdampf beheizbar und damit als Heizfläche nutzbar.
Die Konditionierer gelten als Druckbehälter und werden nach den international gängigen Vorschriften gefertigt. Die Rührwerke werden einzeln durch Aufsteckgetriebemotoren angetrieben. Die Konditionierer sind zur Reduzierung von Wärmeverlusten und als Berührungsschutz zu isolieren.


